Was bewirkt Storytelling?

Was bewirkt Storytelling?

Storytelling ist aus dem Marketing nicht mehr wegzudenken. Wo es so viele Angebote im gleichen Sektor gibt, ist es auch für kleine Firmen und Einzelunternehmende sinnvoll, dieses wirkungsvolle Tool für sich und sein Unternehmen zu nutzen. Um Dich sichtbar für Deine Wunschkund*innen zu machen, und sie von Dir und Deinem Angebot zu begeistern. 

Mit dieser Geschichte gebe ich Dir ein Beispiel dafür, wie Du Storytelling bewusst einsetzen kannst.

Die abenteuerliche Heldenreise vom Strandverkäufer Samir

Wo die Kunden Schlange stehen

Strahlender Sonnenschein über dem weissen Strand auf Sardinien (Wegen Personenschutz erwähne ich den Ort bewusst nicht). Es ist noch früh am Vormittag, als ich an dem kleinen Strandrestaurant vorbei, den Weg zum Strand einschlage. Schon von weitem nehme ich eine grössere Menschenmenge am Strand wahr. Aufgeregt gestikulierend reden Frauen in Badekleidung in verschiedenen Sprachen durcheinander. Neugierig geworden gebe ich Kniegas.

Inmitten der kunterbunten Frauenschar steht ein Scheich! Kein Witz. Sofort schiessen mir die Gedanken wie Blitze durch den Kopf – ein Scheich mit seinem Harem, im Bikini!!! Eine Filmszene – nee, die Kamera fehlt. Der Scheich hat einen Aushang in den umliegenden Hotels gemacht, „Neue Frauen braucht das Land“. Sogleich erklingt das Lied von Ina Deter aus den 80ern in meinem Kopf. Ach nee, da ging es ja um Männer😉

Beim Näherkommen bemerke ich ein farbenfrohes Glitzern, das sich in dem kleinen Handspiegel bricht, den der “Scheich” in seiner rechten Hand hält. Oh, gibt’s was zu feiern? Verlosung der Kronjuwelen? In passablem Englisch mit humorvollen Einlagen, die er mit einem umwerfenden Lächeln einwirft wie Konfetti an Karneval, preist er den Frauen farbig funkelnden Strass-Schmuck an.

Staunend beobachte ich die filmreife Szene. Die männlichen Begleiter einiger Damen gucken schon sichtlich angesäuert aus der Wäsche. Aus der sicheren Position seiner Strandliege aus, auf der er seinen von Sonnenöl glänzenden Body zur Schau stellt, versucht einer von ihnen seine Herzensdame mit einem genervten Lockruf von Mr. Clever und Smart wegzulocken. „Come on Steph, we want to go to take some Champaign.” Sein Ruf verhallt ungehört in den Wellen, die schäumend den Strand umspülen.

Normalerweise sehen die Strandverkäufer hier alle gleich aus. Verkaufen alle den gleichen Kram mit der gleichen abgenudelten Story, die Du an jedem Strand der Welt hörst „Hallo, original Rolex, today special price, only for you.“ „Wooden Elephants, handmade in Afrika.“ “Woher Du kommen?“ „Ah, Deutschland, meine Onkel wohnen in Stuttgart, Frankfurt, usw.“ Normalerweise wimmeln die meisten Badegäste die Strandverkäufer genervt ab, weil sie im gefühlten 5 Minuten-Takt vor ihnen stehen. Aber das hier ist anders. Abgefahren anders.

Interview mit Samir

Ich wittere eine Story! Mist, ausgerechnet heute hab ich mein Handy nicht dabei. Ich wollte mal einen FB-freien Tag einlegen. Na, wer denkt denn schon, dass an dem verschlafenen Strand hier irgendwas passiert, ausser dass Dir vielleicht mal eine Möwe im Vorbeifliegen auf den Kopf kackt.

Ich warte bis der Kaufrausch beendet ist und der „Scheich” sich charmant von den Damen verabschiedet. Mit einem strahlenden Lächeln, eine pinkfarbene Glitzerkette in der Hand, kommt er auf mich zu. Hey, woher weiss der, dass ich auf pink stehe?

Ganz direkt sage ich ihm, dass ich nicht an Preziosen interessiert bin, sondern an seiner Story. „Would you like to tell me a little bit about you? I’m interested in amazing stories and I write it for my Blog.“ Ein bisschen zweifelnd fragt er mich: „Are you from a Magazine or Newspaper, I don’t like Fotos.” “Nein, nein privat”, beruhige ich ihn, und “Handy hab ich eh keins dabei.” Wir setzen uns unter einen Sonnenschirm, und ich höre gespannt zu, was er mir in einer Mischung aus Deutsch und Englisch erzählt.

Wie der Scheich zum Strandverkäufer wurde – die Brand Story

Wortreich ausgeschmückt mit emotionalen Details und dramatischen Momenten, erzählt mir Samir seine Geschichte. Von seiner Flucht aus Syrien, nachdem sein Haus durch einen Bombenangriff zerstört worden war. Von seiner Frau, die gerade sein 3. Kind zur Welt gebracht hatte. Von der Flucht seiner Familie zu seinen Eltern aufs Land. Und wie er beschlossen hat sein Glück in Europa zu versuchen, um seine Familie finanziell zu unterstützen.

Seine Geschichte berührt mich sehr. Ich versuche mir vorzustellen wie das ist, mit 3 kleinen Kindern durch den Bombenhagel auf der Flucht zu sein. Getrieben von Angst, in der Hoffnung, die Familie rechtzeitig in Sicherheit zu bringen.

Trotzdem beschleicht mich ein Gefühl von Ungläubigkeit. Ich beobachte ihn genau, stelle ihm Fragen: „Wie hast Du es geschafft da raus zu kommen? Hat Dir jemand geholfen? Wie seid Ihr zu Deinen Eltern gekommen? Konntet Ihr noch etwas aus den Trümmern retten?“ Ich spüre sein Unbehagen. Die Geschichte kommt ins Stocken. „Mein Englisch reicht nicht aus um Dir das zu erklären” stammelt er, und schaut mich verunsichert an.

Ertappt! Ich spüre, dass der mir hier gerade versucht einen Bären aufzubinden, aber einen ganz fetten. Gleichzeitig bin ich neugierig wie es weitergeht, also tue ich so, als hätte ich seine Unsicherheit nicht bemerkt, und lenke das Gespräch in eine andere Richtung.

Die zündende Idee

„Wie bist Du denn auf die Idee gekommen, Dich als Scheich zu verkleiden und Schmuck zu verkaufen?” frage ich ihn. Seine Englisch-Schwäche weicht ganz plötzlich einem gewandten Wortschwall. Während seine dunkelbraunen Augen mit seinen Klunkern um die Wette funkeln, erzählt er mir begeistert von seiner Business Idee.

„Als ich hier ankam habe ich überlegt, wie ich am besten Geld verdienen kann, um meine Familie zuhause zu unterstützen. In der Unterkunft, wo ich lebte, gab es einige Männer, die als Strandverkäufer Dinge an Touristen verkaufen. Sie erwerben diese Dinge von einem Händler und verkaufen sie teurer weiter. Ich bin ein paarmal mitgegangen um zu sehen wie die das machen. Aber das gefiel mir nicht. Immer Streit. Streit um Kunden, Du verstehst?”

Ein Bild von laut fluchenden Strandverkäufern, die sich gegenseitig ihre Rolex Uhren um die Ohren hauen, taucht vor meinem inneren Auge auf. Verständnisvoll erwidere ich: „Yep, ich verstehe genau was Du meinst, und ich weiss auch warum – Konkurrenz.”

„Alle das Gleiche, jeden Tag“ sagt er, und schüttelt dabei ungläubig den Kopf. „Weisst Du, Touristen nicht dumm, Du müssen machen anderes.“

Aufgeregt erzählt Samir weiter.

„Eines Tages entdeckte ich ein Magazin auf einer verlassenen Strandliege. Vom Cover blickte mich ein Mann im Thawb an. Das ist für arabische Mann typische Kleidung. Und dann hatte ich diese Idee. Ich würde mir einen Thawb besorgen und Schmuck an die Frauen verkaufen. Das ist die ganze Geschichte.”

Samir erzählt mir noch das eine oder andere Anekdötchen aus seiner beispielhaften Karriere als Schmuck verkaufender syrischer Geschichtenerzähler. Als ich ihm dann verklickere was ich beruflich mache, kommt er aus dem Staunen nicht mehr raus. Dass jemand mit „Geschichten erzählen” Geld verdienen kann beeindruckt ihn doch sehr. Ich sehe, wie es in seinem Kopf arbeitet. Offensichtlich von einem plötzlichen Geistesblitz getroffen springt er auf und ruft begeistert: „Hey super Idee Moni. Können alle zu mir kommen lehren”, meint er grinsend, bevor ich mich verabschiede weil neue Kundinnen im Anmarsch sind. 

Hm, ja… Samirs Idee hat auf jeden Fall Potential, worüber ich nachdenken werde. Vielleicht mache ich meinen nächsten Wunschkunden-Wegweiser-Workshop zusammen mit Samir auf Sardinien😉

Info am Rande:
Samir ist ein männlicher Vorname mit arabischen Wurzeln. Er leitet sich ab vom arabischen Wort „samara“, was so viel heisst wie „sich abends unterhalten“. Träger dieses Namens können demnach als „abendliche Unterhalter“ übersetzt werden.😉

Dazu sage ich jetzt mal nix mehr😉

So funktioniert Storytelling Marketing 

Die Quelle von seinem Klunkerkram wollte Samir mir nicht verraten. Na gut, das tut auch nix zur Sache. Fakt ist, dass er sofort gecheckt hat, wie der Hase läuft. Dass er mit Holzelefanten und gefälschten Rolex Uhren hier keinen Hering vom Teller ziehen würde. Stattdessen hat er folgendes getan, um sich von seinen Mitbewerbern (den anderen Strandverkäufern) zu unterscheiden.

  • Er fokussiert sich auf seine Wunschkundinnen (Frauen, die auf funkelnden Strass-Schmuck stehen)
  • Er ist originell (Verkleidung) und hebt sich rein äusserlich von den anderen ab
  • Durch sein Auftreten und seine unaufdringliche Art schafft er es, dass seine Kundinnen zu ihm kommen
  • Er unterhält mit seiner individuellen Story, und baut damit Vertrauen zu seinen Kundinnen auf
  • Er ist anders als alle anderen

Zeig Dich authentisch und bleib bei der Wahrheit

Diese Geschichte ist ein geniales Beispiel dafür, wie und warum Storytelling funktioniert. Eines möchte ich Dir ans Herz legen: Bleib mit Deiner Story unbedingt bei der Wahrheit. Anders als Samir, der durchschnittlich 1-2 Kontakte zu seinen Kundinnen hat, willst Du mit Deinen Wunschkunden längerfristig arbeiten. Und das erreichst Du nur, indem Du das, wofür Du stehst, in eine authentische Story verpackst.

Immer montags um 11.00 Uhr gebe ich Dir auf meiner Facebook Fanpage Tipps zum Thema Storytelling im Business. Und wie Du es schaffst, Deine Wunschkunden von Dir und Deinem Angebot zu überzeugen.

Ich freue mich auf Dich.

Herzlich

Monika Eleisa

 
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